Der Mangel an bindenden gesellschaftlichen Normen führt in der Kunst der Postmoderne
zu einem Materialgedanken, der sich ungeachtet seiner ursprünglichen ideologischen, poli-
tischen oder emotionalen Aufladung allem bemächtigt, was die Kulturgeschichte hergibt.
Damit erhebt die Postmoderne das Prinzip der Aufbereitung, das Recharging bzw Recy-
cling zur ästhetischen Maxime und negiert angesichts ihres endzeitlichen Überbaus die
Forderung nach Erneuerung durch Innovation.
Diese Haltung geht mit einer allgemeinen Ökonomisierung der Kultur einher, in der die
Gesellschaft in ihrem Bedürfnis nach Unterhaltung und Ablenkung ignoriert, dass Kunst
-- als Ausdruck des Menschen, d. h. Ausdruck seiner Sehnsüchte und Hoffnungen, aber
auch seiner Widersprüche und Ängste -- in ihrem Versuch, Wirklichkeit abzubilden, auch
das Moment jenseits der Idylle, jenseits des Griffigen enthalten muß.
Künstler der "Nach-Postmoderne" sind somit aufgefordert, ihre in den gegenwärtigen
Strukturen kultivierte Dienstleistungsmentalität aufzugeben, um sich wieder verstärkt
ihrem "Kerngeschäft" zuzuwenden, nämlich dazu beizutragen, der materialistischen
Werteorientierung eine übergeordnete Werteorientierung an die Seite zu stellen. 